Pflege bei Aggression: Formen, Ursachen & Tipps
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Einleitung
Pflege bei Aggression: Formen, Ursachen & Tipps Claudia Barredo Both (Medizinjournalistin) Schreibt als Medizinjournalistin für Pflegebox Das Wichtigste in Kürze Pflegebedürftige sind aufgrund von Hilflosigkeit und Abhängigkeit eine für Gewalt besonders gefährdete Gruppe. Auch Pflegende erleben häufig Gewalt gegen sich, zum Beispiel durch Patienten selbst oder auch durch deren Angehörige. Aggressives Verhalten durch Pflegebedürftige kann verschiedene Ursachen haben. Beispiele sind Grundbedürfnisse wie Hunger, Durst oder Schmerzen, aber auch medizinische Ursachen wie Krankheiten, Alkohol, Drogen oder Medikamente. Die Pflege Demenzkranker erfordert besonderes Einfühlungsvermögen. Aggressives Verhalten ist nicht selten ein Versuch, die eigenen Bed...
Aggression in der Pflege
Pflegepersonal gehört zu den Berufsgruppen, die häufig aggressives Verhalten gegen sich erleben müssen. Andersherum sind auch Pflegebedürftige oft aggressivem Verhalten und Gewalt ausgesetzt.
Beispiele für Gewalt, die Pflegende gegenüber Pflegebedürftigen ausüben, sind:
Körperliche Gewalt: Grobe Berührungen, zu heiß oder zu kalt waschen, zum Essen oder Trinken zwingen, freiheitsentziehende Maßnahmen ohne richterlichen Beschluss, nicht verordnete Medikamente verabreichen, Hilfsmittel wie Brille oder Hörgerät vorenthalten, ohne medizinische Notwendigkeit Windeln oder Urinkatheter verwenden, Wunden unsachgemäß versorgen. Psychische Gewalt: Unangemessene/respektlose Sprache, Wünsche missachten, starre Essens- und Schlafenszeiten aufzwingen, soziale Kontakte erzwingen oder verweigern, vor dem Betreten des Zimmers nicht anklopfen. Vernachlässigung: Schmutzige Kleidung/Windeln nicht wechseln, Bedürfnisse ignorieren, Pflegebedürftigen lange warten lassen, Pflege verweigern. Finanzielle Ausnutzung: Dem Pflegebedürftigen Informationen über dessen Vermögen vorenthal...
Beispiele für Gewalt, die von Pflegebedürftigen gegenüber Pflegenden ausgeübt wird, sind:
Körperliche Gewalt: Schlagen, Packen und Festhalten, Bespucken, Kratzen, Schubsen. Psychische Gewalt: Beleidigungen, Drohungen, abfällige Bemerkungen, Erpressung, Herabwürdigung. Intime Übergriffe: Sexuelle Anspielungen, indiskrete Fragen und Bemerkungen, unerwünschte Berührungen, Grenzverletzung Gerade intime Übergriffe gegenüber männlichem Pflegepersonal werden in der Öffentlichkeit wenig thematisiert, sind im Pflegealltag jedoch leider keine Seltenheit. Besonders für junge Berufsanfänger aller Geschlechter sowie Auszubildende stellen derartige Übergriffe eine äußerst schwierige, überfordernde Situation dar. Umso wichtiger ist, junge Auszubildende ausreichend anzuleiten, sie in Situationen wie der Intimwäsche nicht alleine zu lassen und das Thema von Übergriffen und Aggression in der Pfl...
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Formen von Aggression
Psychologisch betrachtet bedeutet Aggression ein Verhalten eines Menschen, das sich gegen jemand anderes oder gegen einen Gegenstand richtet und das Ziel hat, diesem Menschen oder Gegenstand zu schaden. Wenn jemand also einen Ball wirft und aus Versehen eine andere Person hart im Gesicht trifft, ist dies keine aggressive Handlung. Wurde der Ball hingegen mit voller Absicht aufs Gesicht geworfen, so handelt es sich um Aggression. Man unterscheidet instrumentelle von feindseliger Aggression: Instrumentelle Aggression, auch „kalte Aggression“ , erfolgt geplant, um ein übergeordnetes Ziel zu erreichen. Akute Gefühle stehen meist nicht im Vordergrund. Die Schädigung einer Person oder eines Gegenstandes sind nicht das Ziel, sondern Mittel zum Zweck. Feindselige oder auch „heiße Aggression“ ist e...
Wutausbrüche: So gehen Sie mit Aggression in der Pflege um
Sowohl Pflegende als auch Pflegebedürftige können aggressiv reagieren. Die folgenden Punkte behandeln Ursachen für aggressives Verhalten, Tipps zum Aufbau einer vertrauensvollen Pflegebeziehung sowie das Vorgehen nach aggressiven Vorfällen.
Ursachen finden und vorbeugen
Pflegepersonal und Pflegebedürftige stehen in einer sehr engen Beziehung zueinander. Der Pflegebedürftige ist oft auf Hilfe angewiesen, um elementarste Bedürfnisse wie Essen, Trinken, den Toilettengang oder die Körperpflege zu erfüllen. Obwohl sich das Pflegepersonal in aller Regel bemüht, die Interessen des Pflegebedürftigen soweit wie möglich zu respektieren, befinden sich Pflegebedürftige in einer Abhängigkeit und fühlen sich oft hilflos. Dies kann Frustration, Wut, Kummer und eben auch Aggression schüren. Um dem vorzubeugen ist eine offene Kommunikation wichtig. Ebenso steht Respekt an erster Stelle: Pflegepersonal und Pflegebedürftige müssen sich gegenseitig respektieren, gerade weil durch die Abhängigkeit schnell ein Machtgefälle entstehen kann. Ebenso gibt es jedoch auch körperliche...
Vertrauensvolle Pflegebeziehung
In einer guten, vertrauensvollen Pflegebeziehung begegnen sich Pflegepersonal und Pflegebedürftige auf Augenhöhe und mit Respekt. Pflegende stellen sich selbst in den Dienst anderer Menschen und helfen diesen mit deren elementarsten Bedürfnissen. Pflegebedürftige müssen oft über ihren eigenen Schatten springen, Stolz und Scham hintenanstellen und die Pflege zulassen. All dies birgt viel Konfliktpotential. Pflegende können, wenn sie das Gefühl haben, von den pflegebedürftigen Menschen schlecht behandelt oder gar verachtet zu werden, schnell ein Gefühl der Frustration, Wut und sogar Aggression gegen den Pflegebedürftigen entwickeln. Pflegebedürftige wiederum können durch die ständige Abhängigkeit, das Angewiesen sein auf fremde Hilfe, obwohl sie früher selbstständig waren, oder auch herablas...
Vorfälle melden und Hilfe
Als privat pflegende Person können Sie bei aggressivem Verhalten des Pflegebedürftigen Ihren Pflegedienst informieren. Alternativ dazu können Sie sich an einen Pflegestützpunkt in Ihrer Nähe wenden. Mitarbeitende dort können Sie professionell beraten und/oder Ihnen Pflegekurse empfehlen, in denen Ihnen ebenfalls Möglichkeiten vermittelt werden, mit der Situation umzugehen. Als professionell pflegende Person sollten Sie jeden Vorfall genau und objektiv dokumentieren, einschließlich der Situation, die zum Vorfall geführt hat. Informieren Sie zudem Ihren Vorgesetzten über gewalttätige Vorfälle. Sind Sie im Rahmen eines Übergriffs verletzt worden, so sollten Sie sich umgehend ärztlich untersuchen lassen. Als professionelle Pflegekraft zählt eine Verletzung im Rahmen Ihrer versicherten Tätigkei...
Tipps für den Wutausbruch: So reagieren Sie am besten in der aggressiven Situation
Kommt es trotz aller Bemühungen doch zu einem Wutausbruch, so ist dies für die Beteiligten eine Ausnahmesituation. Als pflegende Person können Sie versuchen, sich für derartige Situationen zu wappnen, indem Sie an Schulungen und Deeskalationstrainings teilnehmen, sowie die Möglichkeit aggressiver Situationen im Kollegenkreis besprechen. Deeskalationstrainings für Pflegepersonal, aber auch für Privatpersonen, werden zum Beispiel von psychiatrischen Kliniken, aber auch Privatanbietern organisiert. Achten Sie bei Letzterem auf die Seriosität und holen Sie sich vorher Empfehlungen ein. Handelt es sich um einen Patienten, der für aggressives Handeln bekannt ist, bereiten Sie sich vor. Vergegenwärtigen Sie sich, in welchen Situationen der Patient üblicherweise aggressiv reagiert, und überlegen S...
FAQ Section
Q: Welche Formen der Aggression gibt es? A: Man unterscheidet zwischen kalter und heißer Aggression. Zudem kann man aggressives Verhalten in körperliche, verbale, relationale bzw. indirekte und passive Aggression einteilen.
Q: Wodurch wird Aggression bei Pflegebedürftigen verursacht? A: Aggressives Verhalten bei Pflegebedürftigen kann durch Wut oder Trauer über den Mangel an Selbstständigkeit, durch die Nichterfüllung von Grundbedürfnissen wie Hunger oder Durst, durch unfreundliches Verhalten des Pflegepersonals oder auch durch medizinische Ursachen wie Krankheit oder Medikamente verursacht werden.
Q: Wodurch wird Aggression bei Pflegenden verursacht? A: Professionell Pflegende leiden oft unter immensem Zeitdruck und sehr hoher Arbeitslast. Privat Pflegende spüren zudem oft Überforderung mit der Pflege und haben Schwierigkeiten, die Pflege in ihren Berufs- und Familienalltag zu integrieren. All dies kann aggressives Verhalten fördern.
Q: Wie kann eine vertrauensvolle Pflegebeziehung gefördert werden? A: Kernpunkt einer vertrauensvollen Pflegebeziehung ist gegenseitiger Respekt. Zwischen Pflegenden und Pflegebedürftigen sollte möglichst kein Machtgefälle entstehen, das die Ausübung von Gewalt fördert.
Q: Was tue ich, wenn ein aggressiver Übergriff stattgefunden hat? A: Der Vorfall sollte möglichst objektiv dokumentiert und entweder dem Vorgesetzten oder dem Pflegedienst mitgeteilt werden. Liegen Verletzungen vor, so sollten Sie sich umgehend in ärztliche Behandlung geben.
Q: Woher weiß ich, wie ich in einer aggressiven Situation reagieren soll? A: Wichtig ist ruhig bleiben, auf die eigene Sicherheit achten und Hilfe holen. Nehmen Sie unbedingt an Fortbildungen oder Deeskalationstrainings teil, sofern Sie die Möglichkeit dazu haben. Eine aggressive Situation ist für jeden Menschen eine Ausnahmesituation. Sie sorgen für Ihre eigene Sicherheit und für die Ihrer Patienten, wenn Sie sich vorher damit auseinandersetzen und die Situation üben.
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