Kontrakturprophylaxe: Gelenkversteifungen aktiv verhindern
Eine Kontraktur ist eine dauerhafte, schmerzhafte Verkürzung von Muskeln, Sehnen und Bändern, die zur Einschränkung der Gelenkbeweglichkeit führt. Sie entsteht, wenn Gelenke über einen längeren Zeitraum nicht bewegt werden – ein häufiges Problem bei bettlägerigen oder gelähmten Pflegebedürftigen.
Das Tragische: Ist eine Kontraktur erst eingetreten, lässt sie sich kaum noch rückgängig machen. Konsequente tägliche Prophylaxe ist deshalb entscheidend.
💡 Das Wichtigste in Kürze
- Tägliches Durchbewegen: Alle Gelenke müssen täglich durch ihren vollen Bewegungsumfang bewegt werden – auch wenn der Patient es nicht selbst kann.
- Korrekte Lagerung: Lagerungshilfsmittel verhindern Fehlstellungen (z. B. den Spitzfuß beim Liegen).
- Früh beginnen: Bereits nach 2-3 Wochen Immobilität können die ersten Verkürzungen entstehen.
- Physiotherapie: Regelmäßige Krankengymnastik auf Kassenrezept ist das wirksamste Mittel.
1. Die häufigsten Kontrakturen und ihre Folgen
Spitzfuß (Equinus-Kontraktur): Die häufigste Kontraktur bei Bettlägerigen. Das Gewicht der Bettdecke drückt die Füße in eine Streckposition (Zehenspitzen zeigen nach unten). Die Wadenmuskulatur verkürzt sich. Ergebnis: Der Patient kann beim Aufstehen nicht mehr mit der Ferse auftreten.
Hüftbeugekontraktur: Der Patient liegt dauerhaft mit leicht angewinkelten Hüften. Die Hüftbeuger verkürzen sich. Ergebnis: Aufrechtes Stehen und Gehen werden unmöglich.
Fingerbeugekontraktur (Spastikhände): Besonders bei Schlaganfallpatienten schließen sich die Finger zur Faust. Die Nägel wachsen in die Handfläche ein und es entstehen Wunden.
2. Passives Durchbewegen: So geht's richtig
Wenn der Patient Gelenke nicht selbst bewegen kann, führen Sie diese Bewegungen passiv durch.
Grundregeln:
- Immer langsam und sanft – niemals gegen den Widerstand (Spastik) drücken!
- Halten Sie den Arm oder das Bein nah an Ihrem Körper (Hebel nutzen).
- Fragen Sie immer: "Tut das weh?" Schmerzen sind ein klares Stopp-Signal.
Beispiel: Schultergelenk durchbewegen:
- Arm mit einer Hand an Ellenbogen, mit anderer Hand am Handgelenk halten
- Arm sanft in alle Richtungen führen: nach vorne heben, zur Seite, nach hinten
- Je 10 Mal pro Richtung, einmal täglich
Spitzfuß verhindern:
- Ein Fußstützbrett im Bett hält die Füße in 90-Grad-Position
- Beim Sitzen: Füße immer flach auf den Boden oder eine Fußstütze stellen
- Spezielle Anti-Spitzfuß-Lagerungsorthesen aus dem Sanitätshaus
3. Positionierung und Lagerung
Die Lagerung hat enormen Einfluss auf die Entstehung von Kontrakturen.
Im Bett:
- Unterlagern Sie die Knie nicht dauerhaft mit Kissen (erzeugt Hüft- und Kniebeugekontrakturen)
- Lagern Sie die Arme leicht abgewinkelt und auf Kissen
- Wechseln Sie regelmäßig zwischen Rücken- und Seitenlage
Im Rollstuhl:
- Richtige Sitzhöhe: Füße müssen flach aufstehen, Knie im 90-Grad-Winkel
- Arme auf Armlehnen lagern, nicht hängen lassen
4. Aktivierende Pflege im Alltag
Jede Körperpflege ist eine Chance zur Kontrakturprophylaxe!
- Beim Waschen der Arme: bewusst strecken und beugen
- Beim Anziehen: Gelenke aktiv mitbewegen lassen
- Beim Aufstehen: Patienten so viel wie möglich selbst machen lassen
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Das tägliche Durchbewegen erfordert engen Körperkontakt. Einweghandschuhe und Händedesinfektion schützen Sie und Ihren Angehörigen bei jedem Kontakt. Über die Pflegehilfsmittelpauschale (42 Euro/Monat ab Pflegegrad 1) erhalten Sie diese Materialien kostenlos.




